Warum braucht es eine Checkliste?
Behandlungen wie Filler, Botulinumtoxin, PRP oder Laser können schnell und kurz sein; dadurch werden sie leicht wie eine „Schönheitspflege“ wahrgenommen. Tatsächlich sind es jedoch medizinische Eingriffe, die mit Arzneimitteln oder Medizinprodukten durchgeführt werden. Wenn auch selten, wurden ernste Komplikationen wie Gewebeschäden durch Gefäßverschluss, Sehverlust, Infektionen und schwere allergische Reaktionen gemeldet.
Ein großer Teil dieser Risiken hängt davon ab, wer die Behandlung wo und mit welchem Produkt durchführt und wie schnell bei einem Problem eingegriffen werden kann. Die folgenden 10 Punkte sollen Ihnen helfen, diese Fragen vor einer Entscheidung durchzugehen.
1. Wer führt die Behandlung durch?
In der Türkei regelt dies das Gesundheitsministerium; die Behandlung muss von einem Arzt oder einer Ärztin und in einer zugelassenen Gesundheitseinrichtung durchgeführt werden. Scheuen Sie sich nicht, nach Namen und Titel der Person zu fragen, die die Behandlung durchführt. Ein persönliches Gespräch mit dem Arzt/der Ärztin vor der Behandlung, in dem Sie Ihre Krankengeschichte schildern und Ihre Fragen stellen, gehört zur Beurteilung.
2. Wo wird sie durchgeführt?
Sterilisation, Dokumentation und Notfallvorbereitung sind Teil einer sicheren Behandlung. Sie können fragen, ob die Einrichtung eine zugelassene Gesundheitseinrichtung ist.
3. Welches Produkt wird verwendet?
Vor der Behandlung können Sie darum bitten, die verschlossene Verpackung, das Etikett, das Haltbarkeitsdatum und die Chargennummer des Produkts zu sehen. Fragen Sie, ob Produktname und Chargennummer in Ihrer Akte dokumentiert werden und ob Sie eine Kopie erhalten können. Produkte, die direkt an Verbraucher verkauft werden oder deren Herkunft unklar ist, können gefälscht, verunreinigt oder unsachgemäß gelagert sein.
4. Schriftliche Aufklärung und Einwilligung
Die Aufklärung ist nicht nur ein Formular zum Unterschreiben; Zweck der Behandlung, zu erwartende Ergebnisse, mögliche Nebenwirkungen, seltene, aber ernste Komplikationen und Alternativen sollten Ihnen verständlich erklärt werden. Sie sollten Zeit zum Lesen erhalten, und Ihre Fragen sollten beantwortet werden.
5. Wen erreichen Sie nach der Behandlung?
Manche Komplikationen treten erst Stunden nach der Behandlung auf. Bei Anzeichen wie Weißfärbung der Haut, violetter Verfärbung, zunehmenden Schmerzen oder Sehveränderungen ist Zeit sehr wichtig. Deshalb ist es wichtig, vor der Behandlung zu klären, wen Sie wie erreichen, auch nachts oder am Wochenende.
6. Notfallvorbereitung
Bei Situationen wie einem Gefäßverschluss durch Hyaluronsäure-Filler kann ein rasches Eingreifen mit einem Enzym nötig sein, das den Filler auflöst. Auch für schwere allergische Reaktionen müssen Notfallmedikamente griffbereit sein. Zu fragen, ob diese Medikamente und die Ausrüstung in der Klinik vorhanden sind, ist eine berechtigte und vernünftige Frage.
7. Realistische Erwartungen und „nein“ sagen können
Nicht jede Behandlung ist für jede Person geeignet. Eine gute Beurteilung erklärt klar, was die Behandlung Ihnen bringen kann und was nicht. Bei Bedarf vorzuschlagen, die Behandlung zu verschieben, an eine andere Fachperson zu überweisen oder ganz darauf zu verzichten, gehört ebenfalls zu guter ärztlicher Praxis.
8. Kein Druck und keine Eile
Befristete Aktionen, Rabattdruck oder ein „Entscheiden Sie sich jetzt“ sind für eine gesundheitliche Entscheidung nicht angemessen. Nach der Untersuchung sollte Zeit bleiben, nachzudenken und bei Bedarf eine zweite Meinung einzuholen.
Eine Gesundheitsentscheidung trifft man nicht nach einem Aktionskalender. Nehmen Sie sich nach dem Beratungsgespräch Zeit zum Nachdenken und, wenn nötig, für eine Zweitmeinung; nach dem Produkt, der Einwilligung und der Erreichbarkeit nach dem Eingriff zu fragen, ist Ihr gutes Recht.
Dr. Hamza GemiciMedizinischer Direktor von DoktorClub · Arzt für ästhetische Medizin
9. Kontrolltermin
Eine Kontrolle nach der Behandlung ist wichtig, um das Ergebnis zu beurteilen und mögliche frühe Probleme zu erkennen. Wann und von wem die Kontrolle durchgeführt wird, sollte vor der Behandlung besprochen werden.
10. Ihre Unterlagen
Unterlagen mit Angaben zu verwendetem Produkt, Chargennummer, Menge und Bereich sind Informationen über Ihre Gesundheit. Zu fragen, ob Sie eine Kopie erhalten können, hilft Ihnen, wenn Sie später einen anderen Arzt/eine andere Ärztin aufsuchen oder eine Nebenwirkung auftritt.
Injektionen zu Hause, beim Friseur und über soziale Medien: Warum sind sie riskant?
Bei Hauspartys, in Friseur- und Kosmetiksalons oder bei über soziale Medien vereinbarten „Hausbesuchen“ sind sterile Bedingungen, die Verlässlichkeit des Produkts und die Möglichkeit eines Notfalleingriffs meist nicht gegeben. Unklar ist, wer die Behandlung durchführt, welches Produkt verwendet wird und ob die Person bei einem Problem erreichbar ist.
- Produkte können gefälscht, verunreinigt oder nicht bei der richtigen Temperatur gelagert sein.
- Für Notfälle wie einen Gefäßverschluss fehlen möglicherweise Medikamente und Ausrüstung.
- Da nichts dokumentiert wird, lässt sich später möglicherweise nicht feststellen, welches Produkt verwendet wurde.
- Selbstinjektionen oder nadelfreie Injektionsgeräte sind ähnlich riskant.
Holen Sie ohne Zögern Hilfe, wenn nach der Behandlung eines dieser Anzeichen auftritt
- Verschwommenes Sehen, Sehverlust, Doppeltsehen, Sprachstörung oder Schwäche in Arm oder Bein: sofort die 112 (oder die örtliche Notrufnummer) anrufen
- Atemnot, rasch zunehmende Schwellung von Gesicht/Lippen/Zunge: sofort die 112 anrufen
- Weißfärbung, fleckige oder violette Verfärbung der Haut: sofort den behandelnden Arzt/die behandelnde Ärztin anrufen
- Zunehmende, starke Schmerzen: sofort den behandelnden Arzt/die behandelnde Ärztin anrufen
- Fieber, zunehmende Rötung, Überwärmung oder Absonderungen: sofort den behandelnden Arzt/die behandelnde Ärztin anrufen
Wenn Sie Ihren Arzt/Ihre Ärztin nicht erreichen, wenden Sie sich an die nächste Notaufnahme. Wenden Sie keine Massage, Wärme oder Eis an, sofern Ihr Arzt/Ihre Ärztin dies nicht empfiehlt.
Diese Liste dient der allgemeinen Information; einzelne Punkte belegen für sich allein nicht die Qualifikation einer Klinik oder eines Arztes/einer Ärztin. Sie soll Ihnen helfen, die richtigen Fragen für eine gesunde Entscheidung zu stellen.
Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt
- Wer wird die Behandlung durchführen; kann ich vorher mit ihm/ihr sprechen?
- Ist Ihre Einrichtung eine zugelassene Gesundheitseinrichtung?
- Kann ich die Packung und die Chargennummer des verwendeten Produkts sehen; werden diese Angaben in meiner Akte dokumentiert?
- Welche Risiken und Alternativen gibt es bei dieser Behandlung speziell für mich?
- Wen erreiche ich nachts oder am Wochenende, wenn eine Komplikation auftritt?
- Sind in der Klinik Notfallmedikamente und das Enzym zum Auflösen von Filler vorhanden?
- Wann ist mein Kontrolltermin?
- Kann ich eine Kopie meiner Behandlungsunterlagen erhalten?
Häufige Fragen
Stört es den Arzt/die Ärztin, wenn ich diese Fragen stelle?
Ein Arzt/eine Ärztin, dem/der Sicherheit wichtig ist, beantwortet diese Fragen offen und gelassen. Werden Ihre Fragen übergangen oder bleiben unbeantwortet, ist das ein Zeichen, das Sie ernst nehmen sollten.
Warum ist die Chargennummer wichtig?
Die Chargennummer zeigt, aus welcher Produktionscharge ein Produkt stammt. Tritt später eine Nebenwirkung oder eine Warnung zu dem Produkt auf, lässt sich so feststellen, welches Produkt bei Ihnen verwendet wurde.
Warum wird von Fillern beim Friseur oder zu Hause abgeraten?
In diesen Umgebungen sind sterile Bedingungen, die Verlässlichkeit des Produkts und die Möglichkeit eines Notfalleingriffs meist nicht gegeben. Da zudem nichts dokumentiert wird, ist es bei einem Problem schwieriger, die richtige Behandlung zu planen.
Kann ich Vorher-nachher-Fotos in sozialen Medien vertrauen?
Solche Bilder können ausgewählt, durch Licht und Winkel verändert oder bearbeitet sein. Bei der Wahl von Arzt/Ärztin sollten Sie weniger auf Fotos achten als auf die oben genannten Sicherheitsbedingungen und die Beurteilung bei der Untersuchung.
Ist es richtig, eine zweite Meinung einzuholen?
Ja. Besonders wenn Sie unsicher sind oder eine umfangreichere Behandlung erwägen, ist es vernünftig und üblich, die Meinung eines anderen Arztes/einer anderen Ärztin einzuholen.
Quellen
- Dermal Filler Do's and Don'ts for Wrinkles, Lips and More — U.S. Food and Drug Administration (FDA), 2023
- Dermal Fillers (Soft Tissue Fillers) — U.S. Food and Drug Administration (FDA)
- Management of a Vascular Occlusion Associated with Cosmetic Injections (King M u. a.) — Journal of Clinical and Aesthetic Dermatology, 2020
- Deliberations of the Safety Task Force: Risk factors and treatment of adverse events associated with aesthetic injectables (Nikolis A u. a.) — Journal of Cosmetic Dermatology, 2024
Expertengremium Medizinische Ästhetik
Dieser Beitrag wurde vom DoktorClub-Expertengremium Medizinische Ästhetik geprüft.