Kurze Antwort: Nein, eine Behandlung mit Botulinumtoxin macht das Gesicht nicht von selbst starr. Bei einer Behandlung mit angemessener Dosis an den richtigen Punkten ist das Ziel, bestimmte Falten zu glätten und dabei Ihre Mimik zu erhalten. Ein starrer Ausdruck hängt eher mit einer zu hohen Dosis, einer Behandlung großer Areale oder einer nicht individuell angepassten Planung zusammen – und seine Wirkung ist vorübergehend.
Wie wirkt Botulinumtoxin?
Botulinumtoxin schwächt vorübergehend das Signal „Zusammenziehen“, das vom Nerv zum Muskel gelangt. Dadurch zieht sich der behandelte Muskel weniger zusammen, und die Falten, die durch seine Bewegung entstehen (zum Beispiel Zornesfalten, Stirnfalten oder Krähenfüße), werden weicher.
Die Wirkung zeigt sich nur in den behandelten Muskeln und ihrer näheren Umgebung. In unserem Gesicht gibt es zahlreiche Muskeln, die den Ausdruck formen; behandelt werden in der Regel nur einige davon. Deshalb bleiben bei einer gut geplanten Behandlung Ausdrücke wie Lachen, Augenbrauenheben oder Staunen erhalten; nur die Linien, die dabei entstehen, werden weniger auffällig.
Wann entsteht ein „starrer“ Ausdruck?
Bei manchen Menschen wirkt das Gesicht nach der Behandlung ausdruckslos, „wie eine Maske“. Man geht davon aus, dass dies meist mit folgenden Gründen zusammenhängt:
- Eine im Verhältnis zur Muskelkraft und zum Bedarf der Person zu hohe Dosis
- Behandlung eines sehr großen Areals mit sehr vielen Injektionspunkten
- Der Stirnmuskel wird vollständig bewegungslos gemacht; dies kann manchmal auch zu einem Schweregefühl oder Absinken der Augenbrauen führen
- Anwendung eines Standardschemas, ohne Gesichtsstruktur, Mimik und Erwartungen der Person zu berücksichtigen
- Ausbreitung des Präparats über den Zielmuskel hinaus
Manche Menschen wünschen sich dagegen bewusst eine deutlichere Wirkung. Ob das Ergebnis „starr“ oder „natürlich“ wirkt, hängt also weitgehend von der Planung bei der Untersuchung und von Ihren Erwartungen ab.
Warum sind Dosis und Injektionspunkte wichtig?
Die Wirkung von Botulinumtoxin ist dosisabhängig: Eine niedrigere Dosis entspannt den Muskel teilweise, eine höhere Dosis verringert die Bewegung stärker. Die Muskelkraft ist von Mensch zu Mensch verschieden; bei Männern sind die Gesichtsmuskeln zum Beispiel meist kräftiger. Deshalb führt eine einzige „Standarddosis“ nicht bei allen zum gleichen Ergebnis.
Auch Lage und Tiefe der Injektionspunkte beeinflussen das Ergebnis. Injektionen an unterschiedlichen Punkten in derselben Region können einen unterschiedlichen Ausdruck erzeugen. So kann sich etwa die Position der Augenbrauen je nachdem verändern, an welchen Punkten der Stirnmuskel behandelt wird. Diese Details zeigen, warum es wichtig ist, dass die Behandlung von einer Ärztin oder einem Arzt mit guten Kenntnissen der Gesichtsanatomie durchgeführt wird.
Wie wird ein natürliches Ergebnis geplant?
Für ein natürliches Ergebnis ist ein offenes Gespräch mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin bei der Untersuchung der wichtigste Schritt. Folgende Punkte sind dabei hilfreich:
- Welche Linien Sie stören und welche Ausdrücke Sie erhalten möchten
- Wie wichtig Ihre Mimik für Ihren Beruf oder Ihren Alltag ist
- Wenn es Ihre erste Behandlung ist: mit einer zurückhaltenderen Dosis beginnen und das Ergebnis bei Bedarf bei der Kontrolle beurteilen
- Was Ihnen bei früheren Behandlungen gefallen hat und was nicht
Die Wirkung setzt in der Regel innerhalb weniger Tage ein, das volle Ergebnis zeigt sich innerhalb einiger Wochen. Deshalb ist es sinnvoller, das Ergebnis nicht in den ersten Tagen, sondern zum ärztlich empfohlenen Kontrolltermin zu beurteilen.
Der Schlüssel zu einem natürlichen Ergebnis ist ein offenes Gespräch bei der Untersuchung. Sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, welche Linien Sie stören und welche Ausdrücke Sie behalten möchten; beim ersten Mal ist ein zurückhaltender Beginn oft der angenehmste Weg.
Dr. Hamza GemiciMedizinischer Direktor von DoktorClub · Arzt für ästhetische Medizin
Geht ein starrer Ausdruck wieder weg?
Ja. Die Wirkung von Botulinumtoxin ist vorübergehend, und die Muskelbewegung kehrt mit der Zeit zurück. Die Wirkung hält in der Regel etwa 3–4 Monate an; diese Dauer kann je nach Person, Region und Dosis variieren. Wenn Sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind, empfiehlt es sich, dies mit dem behandelnden Arzt/der behandelnden Ärztin zu besprechen und die nächste Behandlung entsprechend planen zu lassen.
Anzeichen wie ein deutlich herabhängendes Augenlid, Doppeltsehen, Schluck- oder Atembeschwerden sind dagegen kein „starrer Ausdruck“; sie erfordern eine sofortige ärztliche Abklärung. Wenn bei Ihnen ein solches Anzeichen auftritt, rufen Sie ohne zu warten die 112 (oder die örtliche Notrufnummer) an.
Fazit
Das Gerücht „Wer Botulinumtoxin bekommt, hat ein starres Gesicht“ ist aus den sichtbaren Ergebnissen mancher Behandlungen mit zu hoher Dosis oder unpassender Planung entstanden. Eine unvermeidliche Folge der Behandlung ist dies jedoch nicht. Ausführliche Informationen finden Sie in unserem Beitrag „Botulinumtoxin“.
Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt
- Welche Ausdrücke bleiben in meinem Gesicht erhalten?
- Wonach richtet sich die Dosis, die Sie für diese Region planen?
- Ist es möglich, bei der ersten Behandlung mit einer zurückhaltenderen Dosis zu beginnen?
- Verändert sich die Position meiner Augenbrauen?
- Wann sollte ich das Ergebnis beurteilen, und ist eine Kontrolle nötig?
- Was kann man tun, wenn ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden bin?
Häufige Fragen
Macht Botulinumtoxin mein Gesicht völlig bewegungslos?
Nein. Behandelt werden nur bestimmte Muskeln, und das Ziel ist, diese Muskeln zu entspannen. Bei einer Behandlung mit angemessener Dosis bleibt Ihre Mimik weitgehend erhalten.
Ist ein starrer Ausdruck dauerhaft?
Nein, er ist nicht dauerhaft. Die Wirkung von Botulinumtoxin ist vorübergehend, und die Muskelbewegung kehrt in der Regel innerhalb einiger Monate zurück.
Ist eine niedrigere Dosis weniger wirksam?
Eine niedrigere Dosis bewirkt in der Regel einen milderen und manchmal kürzeren Effekt. Welche Dosis für Sie geeignet ist, wird bei der Untersuchung anhand Ihrer Erwartungen und Ihrer Muskelstruktur festgelegt.
Liegen die starren Gesichter, die ich in sozialen Medien sehe, an Botulinumtoxin?
Nicht immer. Solche Erscheinungsbilder können auch mit anderen Eingriffen, Filtern, Licht oder einer Kombination mehrerer Behandlungen zusammenhängen. Anhand eines einzelnen Fotos lässt sich die Ursache nicht erkennen.
Nach der Behandlung wirken meine Augenbrauen abgesunken – was soll ich tun?
Wenden Sie sich an den behandelnden Arzt/die behandelnde Ärztin. Dieser Zustand ist meist vorübergehend, sollte aber beurteilt werden. Wenn ein herabhängendes Augenlid mit Doppeltsehen, Schluck- oder Atembeschwerden einhergeht, rufen Sie ohne zu warten die 112 an.
Quellen
- Botulinum toxin therapy: FAQs — American Academy of Dermatology (AAD)
- Botulinum toxin therapy: Overview — American Academy of Dermatology (AAD)
- Kosmetische Eingriffe: Botulinumtoxin-Injektionen (NHS-Patienteninformation) — NHS (Vereinigtes Königreich)
- Fachinformation Botulinumtoxin Typ A (in den USA zugelassene Kennzeichnung; Boxed Warning: Ausbreitung der Toxinwirkung auf entfernte Körperregionen) — U.S. Food and Drug Administration (Drugs@FDA), 2023
- Aesthetic Treatment With Botulinum Toxin: Approaches Specific to Men — Dermatologic Surgery (PubMed), 2017
Expertengremium Medizinische Ästhetik
Dieser Beitrag wurde vom DoktorClub-Expertengremium Medizinische Ästhetik geprüft.