Wie entstehen Aknenarben?
Akneläsionen, besonders tiefe und entzündete, können die tieferen Hautschichten schädigen. Während die Haut diesen Schaden repariert, bildet sie das Stützeiweiß Kollagen manchmal zu wenig, manchmal zu viel. Bei zu wenig Kollagen entstehen eingesunkene Narben, bei zu viel erhabene Narben.
Pickel auszudrücken, abzukratzen oder daran herumzudrücken kann die Entzündung vertiefen und das Narbenrisiko erhöhen. Auch die genetische Veranlagung spielt bei der Narbenbildung eine Rolle; deshalb können bei zwei Menschen mit ähnlicher Akne bei einem Narben zurückbleiben und beim anderen nicht.
Fleck und Narbe sind nicht dasselbe
Nicht jede Verfärbung, die nach dem Abheilen der Akne zurückbleibt, ist eine echte Narbe. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sich die Behandlung unterscheidet:
- Rote oder violette Flecken: Sie beruhen auf erweiterten kleinen Gefäßen in der abgeheilten Region. Meist verblassen sie innerhalb von Monaten von selbst.
- Braune Flecken (Flecken nach Entzündung): eine Pigmentvermehrung infolge der durchgemachten Entzündung. Sie sind bei dunklerer Haut häufiger und können länger anhalten; mit Sonnenschutz können sie mit der Zeit heller werden.
- Echte Narben: Die Hautstruktur ist verändert, mit Vertiefung oder Erhebung. Diese Narben verschwinden nicht von selbst.
Ausführlichere Informationen zu Flecken finden Sie in unserem Beitrag „Pigmentflecken und Melasma“.
Arten von Aknenarben
| Art | Aussehen | Hinweis |
|---|---|---|
| Eispickelnarbe (ice pick) | Schmale, tiefe, lochartig aussehende Narben | Spricht wegen der Tiefe meist nur begrenzt auf oberflächliche Behandlungen an |
| Kastennarbe (boxcar) | Breite Vertiefungen mit scharfen Rändern und flachem Boden | Können oberflächlich oder mitteltief sein |
| Rollende Narbe (rolling) | Vertiefungen mit weichen Rändern, die ein welliges Bild erzeugen | Entstehen, wenn Bindegewebsstränge unter der Haut diese nach unten ziehen |
| Hypertrophe Narbe | Erhabene Narbe an der Stelle der Akne, die innerhalb ihrer Grenzen bleibt | Häufiger an Brust, Rücken und Schultern |
| Keloid | Feste, erhabene Narbe, die über die Grenzen der ursprünglichen Wunde hinauswächst | Mit genetischer Veranlagung verbunden; kann nach der Behandlung wiederkehren |
Bei den meisten Menschen bestehen mehrere Narbenarten nebeneinander. Deshalb umfasst auch der Behandlungsplan meist mehrere Verfahren.
Erster Schritt: die aktive Akne unter Kontrolle bringen
Wenn die Akne noch besteht, muss vor der Narbenbehandlung die aktive Akne behandelt werden. Neue Pickel können neue Narben hinterlassen; außerdem sind manche Eingriffe auf Haut mit aktiver Entzündung möglicherweise nicht geeignet. Die Aknebehandlung erfolgt je nach ärztlicher Beurteilung mit Cremes, Medikamenten zum Einnehmen oder einer Kombination davon.
Wenn Sie ein Vitamin-A-Derivat zum Einnehmen (Isotretinoin) anwenden oder kürzlich angewendet haben, sagen Sie dies unbedingt Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Der Zeitpunkt mancher Narbenbehandlungen wird ärztlich in Abhängigkeit von diesem Medikament geplant.
Welche Behandlungen gibt es?
Die Behandlung wird ärztlich je nach Narbenart, Tiefe, Ihrem Hauttyp und Ihren Erwartungen gewählt. Die folgenden Verfahren dienen der allgemeinen Information.
- Fraktionierter Laser: Erzeugt zahlreiche mikroskopisch kleine Behandlungszonen in der Haut und regt die Kollagenerneuerung an. Er gehört zu den häufig eingesetzten Verfahren bei eingesunkenen Narben. Einzelheiten finden Sie in unserem Beitrag „Fraktionierter Laser“.
- Microneedling: Erzeugt mit feinen Nadeln kontrollierte Mikroverletzungen in der Haut und regt die Kollagenbildung an. Es kann besonders bei rollenden und Kastennarben in mehreren Sitzungen eingesetzt werden.
- Chemisches Peeling: Kann durch kontrollierte Erneuerung der oberen Hautschichten das Erscheinungsbild oberflächlicher Narben und Flecken verringern. Einzelheiten finden Sie in unserem Beitrag „Chemisches Peeling“.
- Subzision: Lösen der Bindegewebsstränge unter der Haut, die die Narbe nach unten ziehen, mit einer feinen Nadel. Wird besonders bei rollenden Narben eingesetzt.
- Filler: Unter eingesunkene Narben wird ein Füllmaterial gespritzt, um die Region vorübergehend anzuheben. Die Wirkung hängt vom verwendeten Material ab, und meist ist eine Wiederholung nötig.
- Kleine chirurgische Eingriffe: Bei tiefen und schmalen Narben kann ärztlich erwogen werden, die Narbe mit einem kleinen Eingriff zu entfernen und zu verschließen.
- Bei erhabenen Narben und Keloiden: Es gibt Optionen wie Kortikosteroid-Injektionen in die Narbe, bestimmte Laser, Vereisung (Kryotherapie) oder Operation; beim Keloid wird die Behandlung wegen des Rückfallrisikos sorgfältig geplant.
Bei vielen Patientinnen und Patienten kann eine kombinierte und aufeinanderfolgende Anwendung mehrerer Verfahren statt eines einzelnen eine deutlichere Verbesserung bewirken. Zum Beispiel kann ärztlich zuerst eine Subzision und danach Laser- oder Microneedling-Sitzungen geplant werden.
Manche Anwendungen wie plättchenreiches Plasma (PRP) werden bei Aknenarben ergänzend zu anderen Verfahren erprobt; die Evidenz dazu ist jedoch begrenzt, und die Ergebnisse sind individuell unterschiedlich.
Bei Aknenarben geht es nicht darum, sie auszulöschen, sondern sie deutlich unauffälliger zu machen. Zuerst die aktive Akne in den Griff zu bekommen, dann eine zur Narbenart passende Methode zu wählen und Geduld zu haben, ist sicherer und am Ende befriedigender.
Dr. Hamza GemiciMedizinischer Direktor von DoktorClub · Arzt für ästhetische Medizin
Risiken und worauf zu achten ist
- Nach Laser, Peeling und Microneedling sind vorübergehende Rötung, Schwellung und Krustenbildung häufig.
- Bei dunklerer Haut ist das Risiko für Flecken nach der Behandlung (postinflammatorische Hyperpigmentierung) höher; Verfahren und Intensität sollten entsprechend gewählt werden.
- Es bestehen Risiken wie Infektion, Aufflammen von Lippenherpes und selten die Bildung neuer Narben.
- Filler-Behandlungen haben eigene Risiken und sollten nur von einer erfahrenen Ärztin oder einem erfahrenen Arzt durchgeführt werden.
- Sonnenschutz nach der Behandlung ist für die Heilung und den Erhalt des Ergebnisses wichtig.
Realistische Erwartungen
Ziel der Behandlung von Aknenarben ist nicht, die Narben auszulöschen, sondern ihr Erscheinungsbild deutlich zu verringern. Die meisten Verfahren erfordern mehrere Sitzungen, und die Ergebnisse zeigen sich langsam über Wochen bis Monate, während die Haut neues Kollagen bildet.
- Tiefe und schmale Narben wie Eispickelnarben sprechen meist begrenzter auf die Behandlung an.
- Rollende und oberflächliche Kastennarben zeigen oft eine deutlichere Verbesserung.
- Keloide können nach der Behandlung wiederkehren; eine langfristige Nachbeobachtung kann nötig sein.
- Wenn die Akne erneut aufflammt, können neue Narben entstehen; deshalb wird die Aknekontrolle während der gesamten Behandlung fortgesetzt.
Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt
- Welcher Art sind meine Narben: eingesunken, erhaben oder nur ein vorübergehender Fleck?
- Ist meine aktive Akne ausreichend unter Kontrolle, bevor die Narbenbehandlung beginnt?
- Welches Verfahren oder welche Kombination empfehlen Sie für meine Narbenart, und warum?
- Wie viele Sitzungen könnten nötig sein, und wie viel Zeit sollte zwischen den Sitzungen liegen?
- Wie hoch ist bei meinem Hauttyp das Risiko für Flecken nach der Behandlung, und was kann man tun, um es zu verringern?
- Wie lange halten Rötung oder Krusten nach der Behandlung an, und wann kann ich in meinen Alltag zurückkehren?
- Ich habe früher Isotretinoin angewendet; beeinflusst das den Zeitpunkt der Behandlung?
- Welches Ergebnis ist realistisch, welche Erwartung nicht?
Häufige Fragen
Verschwinden Aknenarben von selbst?
Rote oder braune Flecken nach Akne können oft innerhalb von Monaten von selbst heller werden. Echte Narben, die Vertiefungen oder Erhebungen in der Haut bilden, verschwinden dagegen meist nicht von selbst.
Lassen sich Aknenarben vollständig entfernen?
Durch Behandlung lässt sich das Erscheinungsbild der Narben oft deutlich verringern, ein vollständiges Verschwinden kann jedoch nicht zugesichert werden. Das Ergebnis hängt von Art und Tiefe der Narbe, vom Hauttyp und von den angewendeten Verfahren ab.
Kann ich eine Narbenbehandlung machen lassen, während meine Akne noch besteht?
Meist wird empfohlen, zuerst die aktive Akne unter Kontrolle zu bringen. Neue Pickel können neue Narben hinterlassen, und manche Eingriffe sind auf aktiv entzündeter Haut möglicherweise nicht geeignet. Über den Zeitpunkt entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Verbessern Cremes für zu Hause die Narben?
Manche Cremes, etwa Vitamin-A-Derivate, können beim Erscheinungsbild von Flecken und sehr oberflächlichen Narben helfen. Bei tiefen, eingesunkenen Narben ist die Wirkung von Cremes allein jedoch begrenzt.
Ist Laser, Peeling oder Microneedling besser geeignet?
Kein einzelnes Verfahren passt für alle. Nach Beurteilung von Narbenart, Tiefe und Hauttyp werden ein oder mehrere Verfahren gemeinsam geplant. Deshalb sind Untersuchung und ärztliche Beurteilung nötig.
Ich habe dunklere Haut, kann ich eine Narbenbehandlung machen lassen?
Ja, aber da bei dunklerer Haut das Risiko für Flecken nach der Behandlung höher ist, sollten Verfahren, Energie und Intensität sorgfältiger gewählt werden. Wichtig ist ein Gespräch mit einer in diesem Bereich erfahrenen Ärztin oder einem erfahrenen Arzt.
Quellen
- Acne scars: Overview — American Academy of Dermatology (AAD)
- Acne scars: Consultation and treatment — American Academy of Dermatology (AAD)
- Acne — NHS (Vereinigtes Königreich)
- Acne — Patient Information Leaflet — British Association of Dermatologists (BAD)
- Acne scarring: a classification system and review of treatment options (Jacob CI, Dover JS, Kaminer MS). PMID: 11423843 — Journal of the American Academy of Dermatology, 2001
- Acne scars: pathogenesis, classification and treatment (Fabbrocini G et al.). PMID: 20981308 — Dermatology Research and Practice, 2010
- Platelet-rich plasma and its utility in the treatment of acne scars: A systematic review (Hesseler MJ, Shyam N). PMID: 30742878 — Journal of the American Academy of Dermatology, 2019
Expertengremium Medizinische Ästhetik
Dieser Beitrag wurde vom DoktorClub-Expertengremium Medizinische Ästhetik geprüft.