Kurz gesagt: Auch im Winter und bei bewölktem Himmel ist Sonnenschutz oft nötig. Wolken halten nicht die gesamte UV-Strahlung ab; Schnee erhöht die Belastung, indem er das Licht reflektiert. Die hautalternden UVA-Strahlen sind das ganze Jahr über vorhanden und können Fensterglas durchdringen. In den Wintermonaten ist die Intensität der Sonnenstrahlen meist geringer als im Sommer; besonders wichtig ist der Schutz jedoch für Menschen mit Neigung zu Pigmentstörungen wie Melasma, für Menschen nach einer kürzlich erfolgten medizinisch-ästhetischen Behandlung und für alle, die Zeit im Schnee oder in großer Höhe verbringen.
Was steckt im Sonnenlicht?
Die ultraviolette (UV-)Strahlung der Sonne wird mit Blick auf die Haut in zwei Hauptgruppen eingeteilt. UVB-Strahlen wirken vor allem auf die Hautoberfläche und sind die Hauptursache für Sonnenbrand. Ihre Intensität schwankt deutlich mit Jahreszeit, Tageszeit und geografischer Lage; im Winter nimmt sie ab.
UVA-Strahlen erreichen dagegen tiefere Hautschichten. Sie spielen bei der sonnenbedingten Hautalterung wie Falten, Elastizitätsverlust und Pigmentflecken eine wichtige Rolle. Die Intensität von UVA schwankt mit den Jahreszeiten weniger stark als die von UVB. Beide Strahlenarten werden mit dem Hautkrebsrisiko in Verbindung gebracht.
Halten Wolken die Sonne ab?
Wolken verringern Wärme und Helligkeit der Sonne stärker, als es uns bewusst ist; die UV-Strahlung halten sie dagegen bei Weitem nicht so wirksam ab. Die Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, dass eine dünne Wolkenschicht den größten Teil der UV-Strahlung durchlassen kann. Dicke, dichte Wolken schützen stärker.
Weil die Sonne an einem kühlen, bewölkten Tag nicht brennend wirkt, bleiben Menschen möglicherweise länger ungeschützt im Freien. Das kann zu unerwartetem Sonnenbrand und mit der Zeit zu angesammelten Sonnenschäden führen.
Wirkt Sonnenlicht auch hinter Glas?
Normales Fensterglas hält den größten Teil der UVB-Strahlung ab, lässt aber einen erheblichen Teil der UVA-Strahlung durch. In medizinischen Veröffentlichungen wurde berichtet, dass bei Menschen, die lange am Fenster arbeiten oder täglich lange Strecken Auto fahren, auf der dem Fenster zugewandten Seite von Gesicht und Arm deutlichere Sonnenschäden auftreten können.
Wenn Sie den ganzen Tag am Fenster sitzen oder lange Auto fahren, kann es deshalb sinnvoll sein, auch in den Wintermonaten an Sonnenschutz zu denken.
Die Wirkung der Sonne auf die Haut zeigt sich nicht nur im Sommer und an sonnigen Tagen; Wolken und Glas lassen einen Teil des UV-Lichts durch. Besonders wenn Sie wegen Pigmentflecken behandelt werden oder kürzlich einen Eingriff hatten, schützen Sie sich auch im Winter weiter vor der Sonne.
Dr. Hamza GemiciMedizinischer Direktor von DoktorClub · Arzt für ästhetische Medizin
Schnee und Höhe erhöhen die Belastung
Frischer Schnee reflektiert den größten Teil der UV-Strahlung. Das bedeutet, dass die Haut Licht sowohl von oben als auch von unten ausgesetzt ist. Zudem nimmt mit zunehmender Höhe die filternde Wirkung der Atmosphäre ab, und die Intensität der UV-Strahlung steigt.
Bei Aktivitäten wie Skifahren oder Bergwandern kann es trotz Winter zu schwerem Sonnenbrand kommen. In dieser Umgebung ist es wichtig, nicht nur die Haut, sondern auch die Augen mit einer geeigneten Sonnenbrille zu schützen.
Wer sollte im Winter besonders vorsichtig sein?
- Menschen mit Melasma oder Neigung zu Pigmentstörungen: Melasma kann schon bei geringer Sonnenbelastung nachdunkeln. Man geht davon aus, dass auch sichtbares Licht ein Melasma beeinflussen kann. Einzelheiten finden Sie in unserem Beitrag „Pigmentflecken und Melasma“.
- Menschen nach einer kürzlich erfolgten Laserbehandlung, einem chemischen Peeling oder einer ähnlichen Behandlung: Nach einer Behandlung ist die Haut sonnenempfindlicher, und ungeschützte Sonne kann das Risiko für Pigmentflecken erhöhen. Allgemeine Grundsätze finden Sie im Beitrag „Nachsorge nach medizinisch-ästhetischen Eingriffen“.
- Menschen während einer Laser-Haarentfernung: Gebräunte Haut erhöht das Risiko für Verbrennungen und Farbveränderungen. Einzelheiten stehen in unserem Beitrag „Laser-Haarentfernung“.
- Menschen, die Medikamente einnehmen, die lichtempfindlich machen können: Manche Antibiotika, manche Aknemedikamente und andere Arzneimittel können die Haut sonnenempfindlich machen. Fragen Sie dazu bei Ihrem Medikament ärztlich oder in Ihrer Apotheke nach.
- Menschen, die bereits Hautkrebs hatten, oder hellhäutige Menschen, die leicht einen Sonnenbrand bekommen
Wie schützt man sich im Winter vor der Sonne?
Als praktischen Richtwert empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation Sonnenschutz, wenn der UV-Index bei 3 oder höher liegt. Den UV-Index finden Sie in Wetter-Apps und bei Wetterdiensten. In den Wintermonaten kann dieser Wert auf Meereshöhe an den meisten Tagen niedrig sein; in den Bergen, im Schnee und um die Mittagszeit kann er jedoch steigen.
- Prüfen Sie den UV-Index des Tages; seien Sie besonders in verschneiten und hoch gelegenen Gebieten vorsichtig.
- Wenn Sie Zeit im Freien verbringen, tragen Sie auf unbedeckte Stellen wie Gesicht, Ohren und Hände ein Breitband-Sonnenschutzmittel (gegen UVA und UVB) auf.
- Wenn Sie lange draußen sind, tragen Sie den Sonnenschutz in den Abständen erneut auf, die Ihr Arzt/Ihre Ärztin oder die Produktanleitung empfiehlt.
- Ergänzen Sie den Sonnenschutz durch Hut, Sonnenbrille und geeignete Kleidung.
- Wenn Sie ein Melasma haben oder kürzlich behandelt wurden, besprechen Sie einen für Sie passenden Schutzplan mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Fazit
Das Gerücht, im Winter und bei bewölktem Himmel brauche man keine Sonnencreme, entsteht dadurch, dass man die Wärme der Sonne nicht spürt. Dabei dringt ein erheblicher Teil der UV-Strahlung durch Wolken, UVA gelangt auch durch Fensterglas, und Schnee erhöht die Belastung. Wie viel Schutz an Wintertagen nötig ist, hängt von der Person, dem Aufenthaltsort und der Aktivität ab. Wenn Sie zu Pigmentflecken neigen oder kürzlich behandelt wurden, ist es ratsam, Ihren Schutzplan gemeinsam mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin festzulegen.
Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt
- Neigt meine Haut zu Pigmentflecken, und brauche ich auch im Winter Schutz?
- Wie lange sollte ich mich nach meiner Behandlung besonders vor der Sonne schützen?
- Machen meine Medikamente meine Haut sonnenempfindlich?
- Könnten getönte Sonnenschutzmittel bei Melasma für mich geeignet sein?
- Ich arbeite am Fenster – ist täglicher Schutz nötig?
- Wie schütze ich im Skiurlaub meine Haut und meine Augen?
Häufige Fragen
Muss ich Sonnencreme auftragen, wenn ich zu Hause bleibe?
Wenn Sie sich von Fenstern fernhalten und den ganzen Tag zu Hause sind, ist der Bedarf meist gering. Wenn Sie lange direkt am Fenster sitzen oder ein Melasma haben, können Sie Ihren Schutzbedarf ärztlich besprechen.
Führt Sonnencreme zu Vitamin-D-Mangel?
Es gibt keine starken Belege dafür, dass die tägliche Anwendung den Vitamin-D-Spiegel bei gesunden Menschen deutlich senkt. Wenn bei Ihnen ein Risiko für Vitamin-D-Mangel besteht, sollte dies nicht durch Verzicht auf Sonnenschutz, sondern im ärztlichen Gespräch geklärt werden.
Reicht der Lichtschutzfaktor in meiner Feuchtigkeitscreme?
Für kurze tägliche Aufenthalte im Freien kann er ausreichen; die Creme muss jedoch in ausreichender Menge aufgetragen werden und auch vor UVA schützen. Wenn Sie lange draußen, im Schnee oder in den Bergen sind, kann ein separates Sonnenschutzmittel besser geeignet sein.
Kann man im Winter einen Sonnenbrand bekommen?
Ja. Vor allem in verschneiten und hoch gelegenen Gebieten, beim Skifahren oder Bergwandern, kann es auch im Winter zu schwerem Sonnenbrand kommen.
Brauche ich bei dunkler Haut im Winter Schutz?
Dunkle Haut ist widerstandsfähiger gegen Sonnenbrand, die Neigung zu Pigmentflecken und Melasma kann aber ausgeprägter sein. Wenn Sie Probleme mit Pigmentflecken haben, ist Schutz sinnvoll; Ihren Bedarf können Sie ärztlich beurteilen lassen.
Quellen
- Global Solar UV Index: A Practical Guide — Weltgesundheitsorganisation (WHO), 2002
- Sunscreen and sun safety — NHS (Vereinigtes Königreich)
- Sunscreen and prevention of skin aging: a randomized trial (Hughes MC et al.). Ann Intern Med 2013;158(11):781–790 — Annals of Internal Medicine, 2013
- Unilateral dermatoheliosis (Gordon JR, Brieva JC). N Engl J Med 2012;366(16):e25 — New England Journal of Medicine, 2012
- Melasma: Diagnosis and treatment — American Academy of Dermatology (AAD)
- Melasma — Patient Information Leaflet — British Association of Dermatologists (BAD), 2024
Expertengremium Medizinische Ästhetik
Dieser Beitrag wurde vom DoktorClub-Expertengremium Medizinische Ästhetik geprüft.