Was passiert bei dieser Erkrankung?
Beim Joubert-Syndrom entwickeln sich der Hirnstamm und der mittlere Teil des Kleinhirns anders. Im MRT nennt man dieses Bild das Backenzahnzeichen. Die Erkrankung betrifft kleine Fortsätze der Zellen, die Zilien genannt werden. Deshalb können auch Nieren, Leber und Augen betroffen sein. Die Beschwerden können selbst innerhalb einer Familie verschieden sein.
Welche Beschwerden können auftreten?
Die Beschwerden sind von Mensch zu Mensch sehr verschieden.
- Schlaffe Muskeln im Säuglingsalter (häufig)
- Sehr schnelle oder aussetzende Atmung im Säuglingsalter
- Unwillkürliches Augenzittern und Probleme mit den Augenbewegungen (häufig)
- Verzögertes Sprechen, Sitzen und Gehen
- Leichte bis schwere geistige Behinderung (bei den meisten)
- Gleichgewichtsprobleme; sie können mit der Zeit abnehmen
- Probleme mit Nieren, Leber oder Augen (manchmal)
- Zusätzliche Finger oder Zehen (manchmal)
Wie wird sie festgestellt?
Für die Diagnose muss im MRT des Gehirns das Backenzahnzeichen zu sehen sein. Die Ärztin oder der Arzt beurteilt Muskelkraft, Entwicklung und Augenbewegungen. Ein Gentest findet bei vielen Betroffenen die Ursache. Für Nieren, Leber und Augen werden zusätzliche Untersuchungen gemacht.
Behandlung und Versorgung
Die Betreuung richtet sich nach den Beschwerden und ist Teamarbeit. Physiotherapie, Ergotherapie und Sprachtherapie unterstützen die Entwicklung. Babys mit Atemproblemen werden überwacht und bei Bedarf unterstützt. Nieren, Leber und Augen werden jedes Jahr kontrolliert. Bei zusätzlichen Fingern oder Augenproblemen kann eine Operation nötig sein. Bei schwerer Nierenerkrankung können Dialyse oder eine Transplantation erfolgen. Behandlungen speziell für diese Erkrankung werden noch erforscht. Welche Behandlung geeignet ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt, die oder der die Erkrankung betreut.
Für die Familie: Vererbung und genetische Beratung
Das Joubert-Syndrom wird meist rezessiv vererbt. Bei einem Paar von Anlageträgern liegt die Wahrscheinlichkeit für ein erkranktes Kind in jeder Schwangerschaft bei 1 zu 4. Selten kommt eine dominante oder X-chromosomale Vererbung vor. Bei Ehen unter Verwandten kann die Wahrscheinlichkeit steigen, dass zwei Anlageträger zusammenkommen. Ist das Gen in der Familie bekannt, sind ein Anlageträgertest und eine Diagnose in der Schwangerschaft möglich. Eine genetische Beratung wird empfohlen.