Was passiert bei dieser Erkrankung?
Lymphozyten sind weiße Blutkörperchen, die den Körper vor Krankheitserregern schützen. Bei SCID entwickeln sich diese Zellen, vor allem die T-Zellen, nicht oder sie arbeiten nicht. Das Immunsystem kann sich nicht gegen Bakterien, Viren und Pilze wehren. Die Erkrankung entsteht durch eine Veränderung in einem von mehr als 20 Genen. Die häufigste Form ist die X-chromosomale SCID.
Welche Beschwerden können auftreten?
In den ersten Monaten sind Babys durch Antikörper der Mutter geschützt. Die Beschwerden beginnen meist im Alter zwischen 3 und 6 Monaten.
- Häufige und schwere Infektionen, zum Beispiel Lungenentzündung
- Infektionen, die schlecht auf die Behandlung ansprechen
- Soor im Mund, also eine Pilzinfektion
- Lang anhaltender Durchfall
- Fehlende Gewichtszunahme und Wachstumsverzögerung
- Hautausschlag
Wie wird sie festgestellt?
In manchen Ländern wird die Erkrankung durch das Neugeborenen-Screening kurz nach der Geburt entdeckt. Dieser Test misst im Fersenblut eine Spur der T-Zell-Bildung. Ist das Ergebnis niedrig, werden ein Blutbild und Lymphozyten-Tests gemacht. Ein Gentest bestimmt die Form der Erkrankung.
Behandlung und Versorgung
Die wirksamste Behandlung und die einzige dauerhafte Lösung ist eine Stammzell- bzw. Knochenmarktransplantation. Die Transplantation wird möglichst in den ersten Lebensmonaten gemacht. Bis dahin wird das Baby vor Infektionen geschützt und bekommt keine Lebendimpfungen. Bei der Form, die auf einem ADA-Mangel beruht, kann eine Enzymtherapie eingesetzt werden. Für diese Form gibt es in Europa auch eine zugelassene Gentherapie. Für andere Formen wird die Gentherapie erforscht. Welche Behandlung geeignet ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt, die oder der die Erkrankung betreut.
Für die Familie: Vererbung und genetische Beratung
Die meisten Formen werden rezessiv vererbt. Bei einem Elternpaar, das beide Anlagen trägt, liegt die Wahrscheinlichkeit für ein erkranktes Kind bei jeder Schwangerschaft bei 1 zu 4. Bei Ehen unter Verwandten können rezessive Erkrankungen häufiger vorkommen. Bei Familien türkischer Herkunft wurde berichtet, dass die Erkrankung häufiger vorkommt. Die X-chromosomale Form betrifft dagegen meist Jungen. Bei einer Mutter, die Überträgerin ist, liegt die Wahrscheinlichkeit für einen erkrankten Sohn bei jeder Schwangerschaft bei 1 zu 4. Eine genetische Beratung gibt Orientierung für weitere Schwangerschaften.