Was passiert bei dieser Erkrankung?
Ein DNA-Abschnitt im ATXN3-Gen wiederholt sich viel öfter als normal. Deshalb wird das Protein Ataxin-3 fehlerhaft gebildet und bildet Klumpen in den Zellen. Die Nervenzellen in Kleinhirn, Hirnstamm und Rückenmark gehen mit der Zeit verloren. Bewegung, Sprechen und Schlucken sind betroffen.
Welche Beschwerden können auftreten?
Die Beschwerden beginnen meist im mittleren Lebensalter, können aber auch in der Kindheit auftreten.
- Probleme mit Gleichgewicht und Gehen, also Ataxie
- Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken
- Muskelsteifigkeit, unwillkürliche Muskelanspannungen und Zittern
- Doppeltsehen und Probleme mit den Augenbewegungen
- Schlafprobleme wie unruhige Beine oder das Ausleben von Träumen
- Taubheit in Händen und Füßen, Krämpfe und Muskelzucken
- Schwierigkeiten mit Gedächtnis und Planen (bei manchen Menschen)
Wie wird sie festgestellt?
Die Ärztin oder der Arzt macht eine neurologische Untersuchung und fragt nach der Familiengeschichte. Ein MRT des Gehirns kann eine Verkleinerung des Kleinhirns zeigen. Gesichert wird die Diagnose durch einen Gentest, der das ATXN3-Gen untersucht.
Behandlung und Versorgung
Eine zugelassene Behandlung speziell für diese Erkrankung gibt es noch nicht; die Forschung läuft. Die Betreuung ist Teamarbeit und richtet sich nach den Beschwerden. Physiotherapie und Ergotherapie unterstützen Gleichgewicht und Bewegung. Rollator und Haltegriffe können Stürze verringern. Es gibt Sprech- und Schlucktherapie sowie Unterstützung bei der Ernährung. Bei Muskelsteifigkeit, Schlafproblemen und Stimmungsproblemen kann gezielt gegen die Beschwerden behandelt werden. Welche Behandlung geeignet ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt, die oder der die Erkrankung betreut.
Für die Familie: Vererbung und genetische Beratung
Die Erkrankung wird dominant vererbt. Für jedes Kind eines erkrankten Elternteils liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1 zu 2. Bei der Weitergabe von Generation zu Generation kann die Zahl der Wiederholungen zunehmen. Dann können die Beschwerden früher beginnen und schneller fortschreiten. Erwachsene ohne Beschwerden können sich auf Wunsch vorab genetisch testen lassen. Diese Entscheidung wird zusammen mit einer genetischen Beratung getroffen.