Was passiert bei dieser Erkrankung?
Bei dieser Erkrankung gehen die Nervenzellen, die die Muskeln steuern, langsam verloren. Diese Zellen liegen im Rückenmark und im Hirnstamm. Die Ursache ist eine verlängerte Wiederholung im Gen AR. Die Beschwerden beginnen meist zwischen 20 und 50 Jahren. Die Erkrankung schreitet langsam fort.
Welche Beschwerden können auftreten?
Die Beschwerden können von Mensch zu Mensch verschieden sein.
- Schwäche, Krämpfe und Muskelabbau in Armen und Beinen
- Schwierigkeiten beim Gehen und Neigung zu Stürzen
- Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken
- Muskelzucken, besonders an Zunge und Gesicht (häufig)
- Zittern der Hände in bestimmten Haltungen
- Vergrößerung der Brust und Unfruchtbarkeit (bei manchen Männern)
- Taubheit
Wie wird sie festgestellt?
An die Diagnose wird aufgrund der Beschwerden und der Untersuchung gedacht. Gesichert wird sie durch einen Gentest aus dem Blut, der das AR-Gen untersucht. Die Muskelkraft wird jedes Jahr gemessen. Auch Herz, Blutfette und Blutzucker werden regelmäßig kontrolliert.
Behandlung und Versorgung
Eine bekannte Behandlung, die die Erkrankung aufhält, gibt es noch nicht; die Forschung läuft. Physiotherapie, Ergotherapie und Sprachtherapie erhalten Fähigkeiten. Zum Gehen können ein Rollator oder ein Rollstuhl genutzt werden. Bei vergrößerter Brust wird manchmal operiert. Eine Zufuhr von männlichem Hormon kann die Erkrankung verschlechtern. Welche Behandlung geeignet ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt, die oder der die Erkrankung betreut.
Für die Familie: Vererbung und genetische Beratung
Die Erkrankung wird über das X-Chromosom weitergegeben. Für jeden Sohn einer Mutter, die Anlageträgerin ist, liegt die Wahrscheinlichkeit zu erkranken bei 1 zu 2. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Töchter Anlageträgerinnen sind, liegt bei 1 zu 2. Alle Töchter eines erkrankten Vaters sind Anlageträgerinnen; an die Söhne wird die Erkrankung nicht weitergegeben. Anlageträgerinnen haben meist keine Beschwerden. Eine genetische Beratung hilft, die Risiken in der Familie zu verstehen.